Steckbrief: Stein von Möjbro (Uppland, S)

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Inschrift:   frawaradaʀ | anahahaisla(1?)inaʀ |
Standardausgabe:   KJ99; U877
Archäologische Datierung:   400-700
Aufbewahrungsort:   Historiska Museet Stockholm (Inv.-Nr. 24203)
Kommentar:   Fundort: Der Fundort erscheint auch mit der Schreibung "Møjebro". Träger: Der Stein zeigt neben der Inschrift einen reitenden Krieger mit erhobener Waffe und aufgerichtetem Schild oberhalb von kleineren Tieren. Archäologische Datierung: Die jüngere Forschung hat aufgrund stilistischer Überlegungen eine völkerwanderungszeitliche oder vielleicht frühvendelzeitliche Datierung (5.-7. Jh.) für den Stein vorgeschlagen (Holmquist 1976, 566).
Archäologischer Text:  

Stein von Möjbro

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Runenstein von Möjbro, Hagby sn. (Uppland), 15 km südwestlich von Uppsala, wurde erstmals im frühen 17. Jh. bei J. Bureus in Form von Zeichnungen durch C. Pohl und J. Rhezelius wiedergegeben (Wessén/Jansson 1949-1951, 555; Krause/Jankuhn 1966, 222; Düwel 2002b). Der Stein wurde um 1730 zum Pfarrhof von Hagby gebracht, wo er mit nach oben weisender Schriftseite vor einem Brunnen lag. Der originale Aufstellungsort in Möjbro ist demgegenüber unbekannt. Einer Quelle aus dem Jahr 1672 zufolge (Ransakningarna) gehörte er einst zusammen mit einem zweiten beschrifteten sowie weiteren Steinen. Eine als wenig glaubwürdige Quelle aus dem Jahr 1824 (F.A. Westerling) berichtet, der Stein habe zusammen mit 16 weiteren einen Tingplatz markiert. Es ist darauf hingewiesen worden, daß der Runenstein vielleicht einst zum alten Tingplatz von Hagunda (später Hagby) gehört habe. Der Stein wurde im Jahr 1862 im Pfarrgehöft von Hagby aufgestellt, im Jahr 1930 nach Möjbro und im Jahr 1948 schließlich in das Statens Historiska Museum Stockholm überführt (Wessén/Jansson 1949-1951, 555-561).

2. Inschriftobjekt
Der grobkörnige Granit (Höhe: 2,45 m; Breite der Basis: 1,50 m, Breite bei der oberen Runenreihe: 0,97 m) hat eine längliche Form, einen breiten, gestuften Standbereich und einen sich nach oben verjüngenden oberen Teil (Wessén/Jansson 1949-1951, 561; Krause/Jankuhn 1966, 222).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Eine Breitseite des Steins zeigt eine zweizeilige Inschrift im oberen sowie eine Reiter-Darstellung im mittleren und unteren Teil. Die Inschrift und die Darstellung sind infolge der Nutzung als Trittstufe vor einem Brunnen ab ca. 1730 abgeschliffen und zum Teil völlig verwaschen. Die sorgfältig aufgebrachte Inschrift (Runenhöhe: ca. 9-16 cm) oberhalb der Reiterdarstellung ist quer zur Längsrichtung des Steins angeordnet und erstreckt sich über dessen volle Breite (Wessén/Jansson 1949-1951, 561-562; Krause/Jankuhn 1966, 222).

4. Verbreitung und Datierung
Das Objekt gehört zu den insgesamt 21 mit Runen versehenen Steindenkmälern, die aus dem südlichen Teil von Schweden bis hin zu den Landschaften Uppland und Värmland bekannt sind (Schwedische Runensteine). Bei dem vorliegenden Stein handelt es sich um einen der zwei Belege aus Uppland (vgl. Krogsta). Beide Belege zählen zu den seltenen Bildsteinen vom schwedischen Festland, wogegen eine weitaus größere Zahl derartiger Zeugnisse von Gotland bekannt ist (Holmqvist 1952; 1976, 566). Darstellungen bewaffneter Reiter auf Bildsteinen sind neben Möjbro auch aus dem uppländischen Skokloster sowie in größerer Zahl aus der gotländischen Wikingerzeit bekannt (Nylén/Lamm 2003, 98-101, 154). Die jüngere Forschung hat aufgrund stilistischer Überlegungen eine völkerwanderungszeitliche oder vielleicht frühvendelzeitliche Datierung (5.-7. Jh.) für den Möjbro-Stein vorgeschlagen (Holmqvist 1976, 566).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Wegen der fehlenden Überlieferung zu den Fundumständen ist nicht zu ermitteln, ob der Möjbro-Stein einst zu einem kultur- bzw. sozialgeschichtlich bedeutsamen Fundplatz gehörte. Die Kirche, in dessen Nähe der Stein vermutlich einst aufgestellt worden war, könnte der in Skandinavien vorherrschenden Lehrmeinung zufolge auf ein älteres Großgehöft hindeuten, auf dessen Betreiben hin die Kirche errichtet wurde (vgl. Lidén 1987; Callmer 1992; Jeppesen/Madsen 1995/1996; allg. Näsman 2000). Im strategisch innerhalb eines Siedlungsgebiets gelegenen Hagby befand sich zudem der Sitz eines Gerichts-/Verwaltungsbezirks (Hundare; vgl. Andersson 2000b). Es bedürfte einer gesonderten Untersuchung, ob aus dem Gebiet aussagekräftige archäologische Befunde oder Funde vorliegen.

Literatur
Andersson 2000b; Callmer 1992; Düwel 2002b; Holmqvist 1952; 1976; Jeppesen/Madsen 1995/1996; Krause/Jankuhn 1966; Lidén 1987; Näsman 2000.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2010)

 

 

 

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