Steckbrief: Stein von Järsberg (Värmland, S)

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Inschrift:   [0-2?](u)baʀhite ˈ harabanaʀ | hait[0-?] | ekerilaʀ | runoʀw | aritu |
Standardausgabe:   KJ70; Vr1
Archäologische Datierung:   /
Aufbewahrungsort:   in situ
Kommentar:   Fundort: Der Stein wird in der älteren Forschungsliteratur auch unter den Bezeichnungen "Varnum" (vgl. z.B. Bugge 1866/1867; NIæR) und "Gerdsberg" (Djurklou 1866 [1954]) behandelt. Archäologische Datierung: Der Stein aus Järsberg, der auf einer natürlichen Erhebung stand, ist archäologisch nicht datierbar.
Archäologischer Text:  

Stein von Järsberg

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Runenstein von Järsberg, Varnum sn. (Värmland), am nordöstlichen Rand des Vänern-Sees nahe bei Kristinehamn, wurde erstmals im Jahr 1862 erwähnt (s. Jansson 1978, 23-31; Krause/Jankuhn 1966, 156). Der Stein wurde auf einer Anhöhe beim Ackerbau, zum größten Teil unter der Erdoberfläche liegend, gefunden. Kurze Zeit später stellte man ihn wieder nahe dem Fundplatz auf. Er stand einst zusammen mit einem zweiten, wohl unbeschrifteten Stein innerhalb eines Steinkreises. Ein zweiter Steinring soll sich einst etwas nördlich befunden haben. Seit den 1860er Jahren wurde die kleine Anhöhe wiederholt als Überrest eines zerstörten Grabdenkmals gedeutet. Eine Untersuchung im Jahr 1975 kam jedoch zu dem Ergebnis, daß es sich dabei um eine natürliche, steinige Erhebung handelt (Jansson 1978, 35).

2. Inschriftobjekt
Der Stein, ein rötlicher Gneisgranit, hat eine längliche, sich nach oben verjüngende Form. Der oberste Teil fehlte jedoch bereits bei der Auffindung des Steins und konnte trotz Suche nicht wieder aufgefunden werden. Der Stein hat eine Länge von 2,20 m, und befindet sich nach der Aufstellung im Jahr 1975 1,85 m oberhalb vom Bodenniveau (Jansson 1978, 36; Krause/Jankuhn 1966, 156).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die mehrzeilige Inschrift (Runenhöhe: 6-13 cm) auf einer Schmalseite (untere Breite: 0,53 m; mittlere Breite: 0,29 m; obere Breite: 0,20 m) folgt der Längsrichtung des Steins. Die Runen wurden breit und kräftig eingeschlagen, die Ränder sind jedoch etwas ungleichmäßig (Jansson 1978, 36; Krause/Jankuhn 1966, 156).

4. Verbreitung und Datierung
Das Objekt gehört zu den insgesamt 21 mit Runen versehenen Steindenkmälern, die aus dem südlichen Teil von Schweden bis hin zu den Landschaften Uppland und Värmland bekannt sind (Schwedische Runensteine). Bei dem vorliegenden Stein handelt es sich um einen der beiden Belege aus Värmland (vgl. Skramles Udde). Der Stein von Järsberg, der auf einer natürlichen Erhebung stand, ist archäologisch nicht datierbar.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Der Steinkreis, zu dem der Runenstein zählte, befand sich an einem der ältesten in Schweden bekannten Wege (”Letstigen”), der das Gebiet am Mälarsee mit dem norwegischen Vestfold verband (Jansson 1978, 22f.). Aus den fruchtbaren, seit alters her landwirtschaftlich genutzten Ebenen im südöstlichen Värmland nahe dem Vänern-See sind viele archäologische Geländedenkmäler und Funde bekannt, doch es bedürfte einer eigenen Untersuchung zu Järsberg und dem näheren Umfeld.

Literatur
Krause/Jankuhn 1966; Jansson 1978.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2010)

 

 

 

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