Steckbrief: Stein von Noleby (Västergötland, S)

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Inschrift:   runo(f)ahiraginakudotoje(k)a | unaþou ˈ suhurah ˈ susi(1-2? hw)atin | hakuþo |
Standardausgabe:   KJ67; Vg63
Archäologische Datierung:   /
Aufbewahrungsort:   Historiska Museet Stockholm (Inv.-Nr. 10136)
Kommentar:   Fundort: In der Literatur werden auch die Fundortbezeichnungen "Stora Noleby" und "Fyrunga" angegeben. Archäologische Datierung: Wegen der fehlenden Überlieferung zur Herkunft des Steins kann keine archäologische Datierung vornommen werden.
Archäologischer Text:  

Stein von Noleby

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Stein von Noleby, Fyrunga sn. (Västergötland), unmittelbar nördlich von Fyrunga, rund 30 km vom südöstlichen Rand des Vänern-Sees, wurde der Überlieferung nach im Jahr 1894 bei dem Hof Stora Noleby durch ein scheuendes Pferd aus einer verfallenen Mauer herausgerissen, wodurch die Inschrift entdeckt wurde (Svärdström/Jungner 1940-1970, 93; Krause/Jankuhn 1966, 148; Gustavson 2002). Wegen der Steinform und der Anordnung der Beschriftung ist eine Aufstellung eher unwahrscheinlich, denn die Schrift hätte sich zum Teil im Boden befunden. Der Runenstein wurde im Jahr 1896 ins Statens Historiska Museum Stockholm überführt.

2. Inschriftobjekt
Der massige Granit (Größe der beschrifteten Seite: 0,70 x 0,52 m) hat eine unregelmäßig gerundete Form mit einer geradlinig abschließenden Seite (Svärdström/Jungner 1940-1970, 93; Krause/Jankuhn 1966, 148).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die mehrzeilige Inschrift (Runenhöhe: 6-7 cm) ist parallel zur geradlinigen Seite angeordnet. Die Runen sind scharf mit schmalen Linien eingehauen. Die Zeilen werden durch Längsstriche gerahmt, doch eine umrahmte Fläche ist nur teilweise und eine weitere überhaupt nicht durch Schriftzeichen gefüllt (Svärdström/Jungner 1940-1970, 93). Die beschriftete Seite ist durch Feldspat stark rot gefärbt (Krause/Jankuhn 1966, 148).

4. Verbreitung und Datierung
Das Objekt gehört zu den insgesamt 21 mit Runen versehenen Steindenkmälern, die aus dem südlichen Teil von Schweden bis hin zu den Landschaften Uppland und Värmland bekannt sind (Schwedische Runensteine). Bei dem Noleby-Fund handelt es sich um einen der insgesamt drei Runensteine aus Västergötland (vgl. Norra Vånga und Flistad). Wegen der fehlenden Überlieferung zur Herkunft des Steins kann keine archäologische Datierung vorgenommen werden.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Weil Angaben zur Fundherkunft fehlen, ist nicht zu ermitteln, ob der Stein einst zu einem kultur- bzw. sozialgeschichtlich bedeutsamen Fundplatz gehörte. Das Gebiet am südöstlichen Rand des Vänern-Sees zeigt allgemein eine markante Ballung aussagekräftiger Funde, z.B. Goldobjekte aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. und wikingerzeitliche Schatzfunde (Stenberger 1964, Abb. 286; Andersson, Kent 1993, Abb. 58). Die Lage nahe der mittelalterlichen Kirche von Fyrunga könnte der in Skandinavien vorherrschenden Lehrmeinung folgend auf ein älteres Großgehöft hindeuten, auf dessen Betreiben hin die Kirche errichtet wurde (vgl. Lidén 1987; Callmer 1992; Jeppesen/Madsen 1995/1996; allg. Näsman 2000).

Literatur
Andersson, Kent 1993; Callmer 1992; Jeppesen/Madsen 1995/1996; Krause/Jankuhn 1966; Lidén 1987; Näsman 2000; Gustavson 2002; Stenberger 1964; Svärdström/Jungner 1940-1970.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2010)

 

 

 

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