Steckbrief: S-Fibel von Aschheim III (Bayern, D)

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Inschrift:   (dad)o |
Standardausgabe:   NoR18
Archäologische Datierung:   550-570
Aufbewahrungsort:   Geschichtlich-Heimatkundliche Sammlung Aschheim (Inv.-Nr. A1998/49_1)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Die S-Fibel stammt, zusammen mit weiteren Beigaben, aus Grab 49. Die Fibel läßt sich über einen Vergleichsfund aus Grab 16 von Cividale Cella einordnen, der in die letzten Jahrzehnte des 6. Jh.s datiert (Gutsmiedl 2007/2008, 60). Die Perlen hingegen deuten eher auf eine Bestattung vor 570 hin. Die Bestattung Grab 49 datiert demnach in die Mitte bis in die zweite Hälfte des 6. Jh.s, wahrscheinlich in das dritte Viertel (Düwel/Pieper 2003, 12; Gutsmiedl 2007/2008, 60).
Archäologischer Text:  

S-Fibel von Aschheim III

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Die S-Fibel von Aschheim (NoR 18) ist eines von drei Objekten mit Runeninschrift aus dem Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Gemeinde Aschheim, Landkreis München, Bayern (siehe auch Bügelfibel von Aschheim I und Scheibenfibel von Aschheim II). Das Reihengräberfeld in der Münchener Schotterebene wurde erkannt, als 1997 in einem Baugebiet frühmittelalterliche Objekte geborgen wurden. Direkt im Anschluß wurden die ersten 14 Gräber entdeckt und 1998 mit systematischen Ausgrabungen begonnen, die weitere 430 Bestattungen erbrachten (Gutsmiedl 2005, 199). Das Gräberfeld wurde vollständig ausgegraben, wobei am westlichen Rand im Vorfeld eine unbekannte Anzahl von Gräbern durch den Kiesabbau zerstört worden war. Zu den Besonderheiten des Bestattungsplatzes gehören die ungewöhnlich zahlreichen Mehrfachbestattungen, insgesamt sind es 27 Doppelgräber, 4 Dreifachgräber und je ein Vier- und ein Fünffachgrab (Gutsmiedl 2005, 199).
Die S-Fibel mit Runenritzung stammt aus Grab 49, das Bestandteil der Dreifachbestattung Grab 48-50 war (Düwel/Pieper 2003, 12). In Grab 48 war ein 6-8 Jahre alter Junge bestattet, die Frau in Grab 49 war in frühadultem Alter (20-26 Jahre) gestorben und in Grab 50 war ein maturer Mann (40-59 Jahre) ohne weitere Beigaben begraben (Gutsmiedl 2007/2008, 55). Dem Jungen in Grab 48 hatte man einen Sax, ein Messer und eine Buntmetallschnalle mitgegeben (Gutsmiedl 2007/2008, 55f.). Der Frau in Grab 49 war ein Ensemble aus 90 Perlen, der S-Fibel mit Runenritzung, einer Eisenschnalle, einem Kamm und einem Eisenmesserchen beigelegt worden (Gutsmiedl 2007/2008, 57-60).
Die Funde befinden sich in der Heimatkundlichen Sammlung Aschheim.

2. Inschriftobjekt
Die silberne S-Scheibenfibel des Typs Racalmas Grab 16-Cividale Cella (Inv. Nr. A1998/49_1) ist vollständig mit der gesamten Nadelkonstruktion und der Nadel erhalten (Länge: 3,7 cm; Gutsmiedl 2007/2008, 60). An der Vorderseite ist die S-Form mit insgesamt 10 quadratischen und trapezförmigen Granatscheibchen hervorgehoben (Gutsmiedl 2007/2008, 59). Beide Bögen des „S“ enden in einer Musterung aus langgezogenen, parallelen Riefen, die durch Kerben ähnlich einem Perldraht gestaltet sind. Diese verbinden die s-förmigen Bögen wiederum mit dem Zentrum der Form, so daß eine Acht mit zwei großen, ovalen Durchbrüchen entsteht. Auf der Rückseite ist die Nadelkonstruktion schräg zwischen den beiden Durchbrüchen angebracht.

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die rechtsläufige Runensequenz auf der Rückseite der Fibel wurde im Verlauf der Restaurierung entdeckt. Sie ist auf dem unteren Bogen der S-Form angebracht und verläuft in etwa mittig auf dem Steg zwischen Fibelrand und Durchbruch (Gutsmiedl 2007/2008, 59). Die einzelnen Runenzeichen sind sicher erkennbar, obwohl die ersten drei Zeichen durch Korrosion im oberen Bereich etwas beschädigt sind (Düwel/Pieper 2003, 12).

4. Verbreitung und Datierung
Die S-Fibel läßt sich über einen Vergleichsfund aus Grab 16 von Cividale Cella einordnen, der in die letzten Jahrzehnte des 6. Jh.s datiert (Gutsmiedl 2007/2008, 60). Die Perlen hingegen deuten eher auf eine Bestattung vor 570 hin. Die Bestattung Grab 49 datiert demnach in die Mitte bis in die zweite Hälfte des 6. Jh.s, wahrscheinlich in das dritte Viertel (Düwel/Pieper 2003, 12; Gutsmiedl 2007/2008, 60).

5. Kulturgeschichtliche/Sozialgeschichtliche Interpretation
Nachdem für eines der Mehrfachgäber (Grab 166/167) die Pest als Todesursache nachgewiesen werden konnte, spricht viel für die Vermutung, daß alle Mehrfachbestattungen in Verbindung mit einer Pestepidemie zu sehen sind, zumal ihre Datierung vergleichsweise einheitlich ist (Düwel/Pieper 2003, 13; Gutsmiedl 2005, 199-208). Die Tote in Grab 49 war mit einem umfangreichen Ensemble ausgestattet worden, das sie als vergleichsweise wohlhabend kennzeichnet. Möglicherweise kann sie aus diesem Grund zu einer sozial gehobenen Familie gerechnet werden, die jedoch nicht zu der absoluten Führungsschicht gehört haben dürfte.

Literatur:

Düwel/Pieper 2003; Gutsmiedl 2005; 2007/2008.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

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