Steckbrief: Bügelfibel von Schretzheim (Bayern, D)

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Inschrift:   f(n) |
Standardausgabe:   Werner 1935
Archäologische Datierung:   540-590
Aufbewahrungsort:   Stadt- und Hochstiftmuseum Dillingen
Kommentar:   Träger: die Fibel stammt aus demselben Frauengrab (Grab 26) wie die Kapsel mit der Runeninschrift. Inschrift: Die Inschrift wird in der runologischen Literatur nach 1960 erst von Düwel/Nedoma (2004, 303) wieder erwähnt. Archäologische Datierung: Die Bügelfibel stammt, zusammen mit weiteren Beigaben (s. Bronzekapsel von Schretzheim), aus Grab 26. Einen sicheren Anhaltspunkt für die Datierung des Grabs gibt das Fundensemble, insbesondere die beiden Münzabschläge einer Justinianmünze. Die Vorlage wurde ab 538 geprägt, war jedoch zum Zeitpunkt der Durchschläge bereits sehr abgegriffen. Die große Bügelfibel aus dem Grab wurde wahrscheinlich im dritten Viertel oder dem letzten Drittel des 6. Jh.s hergestellt und einige Zeit getragen, bevor sie in das Grab gelangte (Koch 1977/1, 55). Die Objekte aus Grab 26 sind unterschiedlich lange im Besitz der Toten gewesen. Das Grab selbst datiert in den Zeitraum zwischen 555 und 580.
Archäologischer Text:  

Bügelfibel von Schretzheim

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Aus dem Gräberfeld Schretzheim, Landkreis Dillingen/Donau, Baden-Württemberg, stammen insgesamt vier runische Objekte aus drei verschiedenen Bestattungen, darunter auch eine Bügelfibel (Werner 1935, 88, Taf. 11B); s. auch Bronzekapsel von Schretzheim, Scheibenfibel von SchretzheimRingschwert von Schretzheim. Der Fundplatz des großen Reihengräberfeldes von Schretzheim liegt am Fluß Egau im Bereich der fruchtbaren Hochterasse nördlich des Donautals. Diese dicht besiedelte Region bot mit flachgründigen Lößböden ein sehr günstiges Siedlungsareal. Das Reihengräberfeld wurde 1890 im Zuge der Kiesgewinnung entdeckt. In zwei Grabungskampagnen konnten bis 1934 durch den Historischen Verein Dillingen 630 Gräber erfaßt werden (darunter auch 8 Pferdegräber, ein bestatteter Hund und ein Hirsch). Insgesamt waren vermutlich etwa 660 Bestattungen vorhanden, das Gräberfeld ist demnach annähernd vollständig ausgegraben worden (Koch 2004, 294).
Die Bügelfibel von Schretzheim stammt, gemeinsam mit der Bronzekapsel von Schretzheim, aus Grab 26: Das Grab wurde im September 1892 ausgegraben. Der weiblichen Toten (ohne Altersangabe) waren neben der beschrifteten Bügelfibel noch eine weitere silberne, feuervergoldete Bügelfibel, eine goldene S-Fibel mit Almandineinlagen, eine Rosettenscheibenfibel ebenfalls mit Almandineinlagen, eine Perlenkette, zwei geöste, brakteatenförmige Durchschläge, eine durchbohrte, frühkaiserzeitliche Bronzemünze, eine Cyprea, ein Bronzering, ein Paar silberne Schuhschnallen, ein Paar Riemenzungen, ein eisernes Webschwert und ein handgearbeitetes Gefäß mitgegeben (Koch 1977/2, 15f.).
Die Funde werden im Stadt- und Hochstiftmuseum Dillingen aufbewahrt. 

2. Inschriftobjekt
Die beiden im Grab enthaltenen Bügelfibeln (Länge: 10,2 cm) lagen untereinander zwischen den Knien der Toten. Die Fibel mit Runenritzung war aus Silber gegossen, die Vorderseite ist zusätzlich feuervergoldet. An der Kopfplatte sind 8 Knöpfe jeweils mit einem Eisenstift eingezapft worden. Der Bügel ist kurz und stark gewölbt, die Fußplatte oval und in einem Tierkopf auslaufend. Die Oberfläche ist flächig mit Dreieckniellierung und Kerbdekor verziert. Der Nadelhalter aus Silber ist mitgegossen, die Nadel und die Spielachse hingegen sind aus Eisen. Beide im Grab enthaltenen Bügelfibeln zeigen intensive Gebrauchsspuren. Vor allem der Bügel und der Fuß sind abgerieben, zwei, bzw. drei der Knöpfe fehlen (Koch 1977/2, 16).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Auf der Rückseite der Fußplatte, unterhalb des Nadelhalters sind zwei Runen nebeneinander eingeritzt, von denen jedoch nur die erste deutlich erkennbar ist (Koch 1977/1, 164; Düwel/Nedoma 2004, 303).

4. Verbreitung und Datierung
Ein sicherer Anhaltspunkt für die Datierung von Grab 26 gibt das Fundensemble, insbesondere die beiden Münzabschläge einer Justinianmünze. Die Vorlage wurde ab 538 geprägt, war jedoch zum Zeitpunkt der Durchschläge bereits sehr abgegriffen. Die Kette war demnach um 550 oder kurz vorher angefertigt worden (Koch 1977/1, 73). Die große Bügelfibel aus dem Grab orientiert sich an langobardischen Formen. Sie wurde wahrscheinlich im dritten Viertel oder dem letzten Drittel des 6. Jh.s hergestellt und einige Zeit getragen, bevor sie in das Grab gelangte (Koch 1977/1, 55). Die Objekte aus Grab 26 sind unterschiedlich lange im Besitz der Toten gewesen. Das Grab selbst datiert in die SD-Phase 6 nach Koch (2004, 296f.), die den Zeitraum zwischen 555 und 580 umfaßt.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Die Bestattungen von Schretzheim sind überdurchschnittlich reich ausgestattet. Zahlreiche Waffengräber und wertvoller Schmuck in den Frauengräbern bezeugen in der zweiten Hälfte des 6. Jh.s eine wohlhabende Bevölkerungsschicht, bei der es sich wahrscheinlich um Hofbesitzer handelte (Koch 1977/1, 190f.). Einige Familien scheinen sozial besser gestellt gewesen zu sein. Der ungewöhnliche Reichtum dieser Gruppe ist vermutlich auf die Italienfeldzüge des 6. Jh.s zurückzuführen (Koch 1977/1, 191; 2004, 300).

Literatur:
Werner 1935; Düwel/Nedoma 2004; Koch 1977; 2004.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

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