Steckbrief: Wetzstein von Strøm (Sør-Trøndelag, N)

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Inschrift:   watehalihinohor(na) | hahaskaþihaþuligi |
Standardausgabe:   KJ50; NIæR52
Archäologische Datierung:   /
Aufbewahrungsort:   Vitenskapsmuseet Trondheim (Inv.-Nr. T8780)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Das vorliegende Fundstück entzieht sich einer näheren zeitlichen Einordnung. Je nach der verwandten Steinart (Quarzit; Schiefer) können Wetzsteine grob datiert werden, doch dies gilt allem Anschein nach nicht für Gegenstände aus Sandstein (Petersen 1951, 254; Myhre 1980, 134).
Archäologischer Text:  

Wetzstein von Strøm

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Wetzstein aus Strøm von der Insel Hitra, Hitra kommune (Sør-Trøndelag) in geschützter Fjordlage im vorgelagerten Mündungsbereich des Trondheimsfjords, ein Grabfund, gehört zu der Gruppe von norwegischen Kleinfunden mit Runenbeschriftung (Norwegische Kleinfunde). Der Gegenstand kam zutage, als man im Jahr 1908 ein kleines Grabdenkmal, das bereits abgetragen worden war, völlig einebnete. Der Wetzstein und einige kohlehaltige Partien befanden sich in einer Tiefe von 0,30 m (Bugge/Olsen 1917, 677f.).

2. Inschriftobjekt
Der Wetzstein besteht aus feinkörnigem, glimmerhaltigem Sandstein. Er ist 14,5 cm lang, maximal 1,9 cm breit und 1,2-1,3 cm dick. Die vier Seiten sind glatt geschliffen, und die Kanten scharf. Das eine Ende läuft spitz zu, das andere ist abgerundet. Wie moderne Vergleichsfunde im südlich gelegenen Landesteil Sogn belegen, diente der Wetzstein wahrscheinlich zum Schärfen von Sicheln. Zur Schäftung des spitz zulaufenden Endes wurde ein Bockshorn verwendet (Bugge/Olsen 1917, 678-680; Krause/Jankuhn 1966, 110f.).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Auf beiden Schmalseiten wurde je eine rechtsläufige Runenzeile scharf und deutlich, wahrscheinlich mit einem Messer, eingeschnitten. Dieses wurde von oben nach unten geführt, denn die Runen greifen zum Teil auf die Breitseiten über. Die eine Schmalseite verfügt über Runen unterschiedlicher Breite und Ausrichtung, die Runen auf der anderen Seite wurden dagegen gleichmäßiger und dichter angebracht (Bugge/Olsen 1917, 681; Krause/Jankuhn 1966, 111). Da nicht zu bestimmen ist, ob die Seiten bei der Herstellung des Wetzsteins oder aber infolge der Nutzung abgeschliffen wurden, ist auch der Zeitpunkt der Beschriftung unbestimmbar (Bugge/Olsen 1917, 680).

4. Verbreitung und Datierung
Insgesamt 18 norwegische Kleinfunde sind mit Runen beschriftet, zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um Grabbeigaben. Wetzsteine stellen eine weitverbreitete Fundgattung aus Siedlungen dar, sind jedoch ebenso in Grabzusammenhängen überliefert (vgl. allg. Petersen 1951, 254; Myhre 1980, 134). Wie eine gründliche Bearbeitung von Wetzsteinen mit einem Datierungsschwerpunkt in die Wikingerzeit ergab (rund 1000 Funde), fanden sich darunter lediglich elf Exemplare aus Sandstein, die durchgängig in die jüngere Eisenzeit (ca. 575-1066) zu datieren sind. Bei diesen handelt es sich jedoch, im Gegensatz zum Wetzstein von Strøm, um längliche, flache und wenigstens 3 cm breite Objekte (Petersen 1951, 254). Der Fund von Strøm ist von den Abmessungen und der Gestaltung her mit eleganten, langen und schmalen Wetzsteinen aus Schiefer zu vergleichen, welche in die jüngere Eisenzeit zu datieren sind (Petersen 1951, 254f.). Es bedürfte jedoch weitergehender Untersuchungen, ob in den letzten Jahrzehnten vergleichbare Sandsteinfunde geborgen wurden.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Weder das vorliegende Grab noch ein vielleicht einst vorhandenes, nunmehr zerstörtes Gräberfeld lieferten nennenswerte Funde. Ein heute verschwundener Goldring von einem benachbarten Hof und eine mittelalterliche Schriftquelle aus dem 15. Jh. (Aslak Bolts jordebog), in der Strøm als ein altes Großgehöft genannt wird, belegen jedoch, daß sich vor Ort einst eine bedeutende Siedlung befand. In einer mittelnorwegischen Perspektive war dieses Gebiet allerdings von lediglich nachgeordneter Bedeutung, denn die herausragenden Fundplätze des ersten nachchristlichen Jahrtausends wurden an mehreren Flußmündungsgebieten im Trondheimsfjord nachgewiesen (Farbregd 1986).

Literatur:
Bugge/Olsen 1917; Farbregd 1986; Krause/Jankuhn 1966; Myhre 1980; Petersen 1951.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2010)

 

 

 

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