Steckbrief: Scheibenfibel 1 von München-Aubing (Bayern, D)

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Inschrift:   (0-?) | (1-3?) |
Standardausgabe:   O30
Archäologische Datierung:   590-610
Aufbewahrungsort:   Archäologische Staatssammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, München (Inv.-Nr. 1939, 513)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Die Scheibenfibel mit Tierkopfvierpaß kann anhand eines neuen Fundes aus dem Münchener Raum (Gräberfeld Aschheim Grab 10) in die Zeit um 600 datiert werden (Reimann 1997, 138; Martin 2004, 184).
Archäologischer Text:  

Scheibenfibel 1 von München-Aubing

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Die Scheibenfibel 1 von München-Aubing (O30) stammt gemeinsam mit drei weiteren runenbeschrifteten Fibeln (Scheibenfibel 2, Bügelfibel 1 und Bügelfibel 2) aus dem Reihengräberfeld in München-Aubing, Stadt München, Bayern. Das Gräberfeld liegt im westlichen Teil der Münchener Schotterebene. Die Region um Aubing war bereits während der römischen Besiedlung über die Würmtalstraße an das Fernstraßennetz angebunden (Dannheimer 1998, 10). 1938 wurden bei der Kiesgewinnung für den Eisenbahnbau immer wieder Gräber erfaßt. Direkt im Anschluß an diese Beobachtungen wurde eine zügig durchgeführte Notgrabung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege begonnen. Bis zum Ende des Jahres waren 358 Bestattungen in 335 Gräbern ausgegraben worden. Bei weiteren Untersuchungen zwischen 1960 und 1963 konnten 477 weitere Gräber erfaßt werden (Dannheimer 1998, 13). Insgesamt umfaßte das Gräberfeld damit 881 Bestattungen von Männern, Frauen und Kindern, hinzu kamen noch 21 weitere, unbestimmbare Individuen, die erst bei der Bearbeitung des Knochenmaterials erkannt wurden (Dannheimer 1998, 24). Im Verlauf des 2. Weltkrieges ging ein Teil des Fundmaterials verloren, darunter mehrere Fibeln und das Knochenmaterial aus den Bestattungen 1-358.
Die Scheibenfibel 1 von München-Aubing stammt aus Grab 163 (1939 gefunden). Das Objekt lag auf der Brust der Toten (die Geschlechtsbestimmung erfolgte einzig anhand der Beigaben). Der Frau war zusätzlich lediglich ein einfaches Eisenmesser mitgegeben worden (Dannheimer 1998, 101, Taf. 132).
Die Objekte aus dem Gräberfeld befinden sich in der Archäologischen Staatssammlung München.

2. Inschriftobjekt
Die silberne Scheibenfibel (Inv. Nr. 1939/513) befand sich auf der Brust der Toten und hat einen maximalen Durchmesser von 4,4 cm. Auf der Vorderseite ist ein Tierkopfvierpaß in Kerbschnittdekor angebracht, der ursprünglich vergoldet war. Dabei bilden die vier vogelähnlichen Köpfe mit ihren großen Schnäbeln den Rand der Fibel. Die Tierkörper hingegen laufen schlangenartig im Zentrum der Fibel aus, dessen Dekor eher flüchtig ausgeführt ist. Im Bereich der Stege sind zudem noch Nielloeinlagen vorhanden (Dannheimer 1998, 101, Taf. 18, B).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Auf der Rückseite der Fibel, beiderseits der Nadelhalterungen, befinden sich an zwei Stellen Ritzzeichen, die runenähnlich erscheinen, jedoch nicht mit Sicherheit als Runen identifiziert werden können. Die Zeichen sind schwer erkennbar, möglicherweise sind sie auch durch Abnutzung zusätzlich undeutlicher geworden. In einem Fall handelt es sich um eine Folge von Ritzungen, die am Rand der Fibel verläuft. Annähernd am gegenüberliegenden Rand ist ein einzelnes Zeichen angebracht (Opitz 1977, 31; Düwel 1998a, 78; Tafel 118, 2).

4. Verbreitung und Datierung
Die Scheibenfibel mit Tierkopfvierpaß kann anhand eines neuen Fundes aus dem Münchener Raum (Gräberfeld Aschheim, Grab 10) in die Zeit um 600 datiert werden (Reimann 1998, 138; Martin 2004, 184). Reimann (1998, 138) vermutet sogar, daß die Fibel aus Aschheim als Vorbild für die beiden ähnlichen Stücke aus München-Aubing (i.e. Scheibenfibel 1 und Scheibenfibel 2) gedient haben könnte. Die Ausführung der beiden Scheibenfibeln aus München-Aubing ist jedoch deutlich schlechter als bei dem Stück aus Aschheim.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Düwel (1998a, 79) schreibt die Toten in den runenführenden alamannisch-baierischen Bestattungen aufgrund der Beigaben allgemein einer „sozial gehobenen Bevölkerung "obere Mittelschicht"“ zu. Die Trägerinnen der Aubinger Fibeln gehörten nach Aussage ihrer Tracht zu einer gehobenen Gesellschaftsschicht, die sich an der byzantinisch beeinflußten Mode orientierte (Reimann 1998, 138).

Literatur:

Dannheimer 1998; Düwel 1998a; Martin 2004; Opitz 1977; Reimann 1998.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

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