Steckbrief: Sax von Gräfelfing (Bayern, D)

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Inschrift:   (6?) |
Standardausgabe:   O19
Archäologische Datierung:   560-590
Aufbewahrungsort:   Archäologische Staatssammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, München (Inv.-Nr. 1936, 94-107)
Kommentar:   Inschrift: Nach Opitz (1977) ist die Inschrift wegen Korrosion kaum lesbar, sicher sei lediglich eine h-Rune. Düwel (1994, Anm. 65) meint dagegen: "Die Angabe [...], es sei nur noch eine h-Rune zu sehen, beruht auf einem Irrtum. Diese Lesung der ersten Rune bietet Opitz (1977: Nr. 19); ich kann sie nicht bestätigen." Nach Düwel (1981a; 1994b) wies die Inschrift ursprünglich 6 Runen auf, R.1: l oder a, R.2-5: nicht lesbar, R.6: w. Archäologische Datierung: Der Sax stammt, zusammen mit weiteren Beigaben, aus Grab 40 des Reihengräberfeldes. Er läßt sich über die mitgefundene Gürtelgarnitur in das späte 6. Jh. datieren (Martin 2004, 185 Anm. 66).
Archäologischer Text:  

Sax von Gräfelfing

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Sax von Gräfelfing (O19), Stadt München, Bayern, wurde 1936 aufgefunden. Er stammt aus dem Männergrab 40 des gleichnamigen Reihengräberfeldes. Gräfelfing liegt an der Würm, in den Außenbezirken der Stadt München. Dem Toten in Grab 40 waren neben dem Sax noch eine Spatha, Spathagurtteile, eine punzverzierte Gürtelgarnitur aus Bronze mit Tierkopfverzierungen, ein Messer und eine Schere mitgegeben worden (Martin 2004, 205).
Das gesamte Grabinventar (Inv.-Nr. 1936,94-107) befindet sich derzeit in der Archäologischen Staatssammlung München.

2. Inschriftobjekt
Der Schmalsax von Gräfelfing ist aus Eisen gefertigt, das durch die Lagerung im Boden stark korrodiert ist. Die Klinge besitzt nur eine scharfe Seite und hat eine Länge von 30 cm (Martin 2004, 205).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die Inschrift befindet sich auf der stark korrodierten Schneidefläche. Durch die schlechte Erhaltung sind die Runenzeichen kaum erkennbar. Die Zeichen scheinen in Doppelstrichritzung angebracht worden zu sein (Opitz 1977, 23; Düwel 1994b, 270). Düwel (1981a, 156; 1994b, 270) geht nach einer ausführlichen Autopsie von ursprünglich sechs Runenzeichen aus, von denen noch insgesamt zwei lesbar sind. Trotz der schlechten Erhaltung kann an dem runischen Charakter der Inschrift nicht gezweifelt werden (Düwel 1981a, 156).

4. Verbreitung und Datierung
Der Schmalsax von Gräfelfing ist einem Horizont von verschiedenen Waffen mit Runeninschrift zuzuordnen, der in die Zeit zwischen dem zweiten Viertel und dem letzten Drittel des 6. Jh.s bzw. dem frühen 7. Jh. datiert (Martin 2004, 185). Die Gruppe dieser Waffen mit Runeninschrift konzentriert sich auf Süddeutschland (Martin 2004, 189 Abb. 11). Der leichte Schmalsax ist eine etwas jüngere Variante, die sich über die mitgefundene Gürtelgarnitur in das späte 6. Jh. datieren läßt (Martin 2004, 185 Anm. 66). 

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Im 6. Jh. ist die Spatha nur einer Minderheit der männlichen Bevölkerung mit ins Grab gegeben worden (Martin 2004, 193). Die Spathagräber des 6. Jh.s sind gut ausgestattet und spiegeln eine wohlhabende Bevölkerungsschicht wider, die sicherlich auch als politische Elite anzusprechen ist. Aus diesem Grunde ist auch der Tote in Grab 40 des Reihengräberfeldes von Gräfelfing als Mitglied der regionalen sozialen Elite zu betrachten. Eine abschließende, genauere Bewertung der Stellung des Toten ist jedoch nicht möglich, da das Gräberfeld und die Beigabenensembles bislang nicht umfassend vorgelegt und ausgewertet wurden.

Literatur:
Düwel 1981a; 1994b; Martin 2004; Opitz 1977.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

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