Steckbrief: Lanzen-/Speerschaft von Kragehul (Fyn, DK)

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Inschrift:   ekerilaʀasugisal(a)s(0-1?)muhahaitegagagaginugahe[?]lija[?]hagal(a)wijubig[0-?] |
Standardausgabe:   KJ27; DR196
Archäologische Datierung:   400-500
Aufbewahrungsort:   Nationalmuseet København (Inv.-Nr. C 3158)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Die Fundplätze III und IV von Nydam (ersten Hälfte des 5. Jh.s bzw. 450-475) beinhalten Speere und Lanzen aus Eschenholz, die wie in Kragehul in den Mooruntergrund gesteckt wurden und über Flechtbandmuster bzw. in drei Fällen über eine Runenbeschriftung verfügen (Stoklund 2001; Jørgensen/Vang Pedersen 2003, 276-283). In einem Analogieschluß darf auch für die Lanzenspitze aus Kragehul von einer Stellung im 5. Jh. ausgegangen werden.
Archäologischer Text:  

Speer-/Lanzenschaft von Kragehul

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der im Jahr 1877 geborgene Schaft entstammt dem Fundplatz von Kragehul, einem dänischen Mooropfer.

2. Inschriftobjekt
Die fünf erhaltenen Bruchstücke haben eine Gesamtlänge von 52,2 cm und einen Durchmesser von 1,7-2 cm. Das spitze Schaftende wurde im Rahmen der Opferzeremonie in den Mooruntergrund gesteckt. Die Schäfte aus dem Mooropfer von Illerup, die grundsätzlich aus Eschenholz hergestellt wurden, erreichen eine maximale Länge von 2,70 m (Ilkjær 2000, 42).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die runenbeschrifteten Schaftbruchstücke 1-2 und 4-5 können zusammengefügt werden; auf Stück 3, das sich nicht unmittelbar anpassen läßt, könnten Runen auf beiden Seiten fehlen (Stoklund 2001c). Die Runeninschrift beginnt nahe einem Flechtbandmuster bei dem spitzen Schaftende; der Schluß der Inschrift fehlt. Die sorgfältig eingeritzten Runen sind heute wegen des Schutzbelags, der bei der Konservierung aufgebracht wurde, nur noch zum Teil erkennbar. Wegen der in ihrer Anordnung aufeinander abgestimmten Inschrift und Verzierung kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Anbringung der Inschrift im Herkunftsgebiet der Angreifer ausgegangen werden (s. u.).

4. Verbreitung und Datierung
Die im Jahr 1989 wieder aufgenommenen Untersuchungen in Nydam haben interessante Parallelen aufgezeigt: Die Fundplätze III und IV beinhalten Speere und Lanzen aus Eschenholz, die wie in Kragehul in den Mooruntergrund gesteckt wurden und über Flechtbandmuster bzw. in drei Fällen über eine Runeninschrift verfügen (Stoklund 2001c; Jørgensen/Vang Petersen 2003, 276-283). Die Deponierungen III und IV, sogenannte “pars-pro-toto-Opfer”, gehören der ersten Hälfte des 5. Jh.s bzw. dem Zeitraum von 450-475 n. Chr. an. In einem Analogieschluß darf auch für den Speer-/Lanzenschaft aus Kragehul von einer Stellung im 5. Jh. n. Chr. ausgegangen werden.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Die dänischen Mooropfer des 5. Jh.s n. Chr. sind bisher noch nicht im Hinblick auf das Herkunftsgebiet der angreifenden Heere analysiert worden (Ilkjær 1993, 385f.; Jørgensen/Vang Petersen 2003). Wegen der fehlenden Erkenntnisse zum Charakter der Opferung in Kragehul sowie zu den dänischen Niederlegungen des 5. Jh.s n. Chr. allgemein besteht keine Möglichkeit zu weiterführenden Erwägungen. Die Vielzahl von Schäften aus Illerup und Nydam belegt jedoch, daß Lanzen und Speere den Charakter einer Standardbewaffnung hatten (Ilkjær 1990; 2000, 42-47; Jørgensen/Vang Petersen 2003).

Literatur:
Ilkjær 1990; 1993; 2000;
Jørgensen/Vang Petersen 2003; Stoklund 2001c.

 

 

 

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