Steckbrief: Schwertbeschlag von Thorsberg (Schleswig-Holstein, D)

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Inschrift:   (2Z) | oo |
Standardausgabe:   KJ20Anm
Archäologische Datierung:   210-240
Aufbewahrungsort:   Nationalmuseet København (Inv.-Nr. 24 963)
Kommentar:   Fundort: In der Literatur findet sich auch die Schreibung "Torsbjerg". Archäologische Datierung: Weil wegen der Preßblechverkleidung eine Datierung in die erste Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1b) wahrscheinlich ist, gehört das vorliegende Stück der Hauptniederlegung von Thorsberg an. Inschriftcharakter: Nach Düwel (1981, 137f.) handelt es sich nicht unbedingt um Runen.
Archäologischer Text:  

Schwertbeschlag von Thorsberg

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der in den Jahren 1859-1861 geborgene Fund entstammt dem Fundplatz von Thorsberg, einem Mooropfer.

2. Inschriftobjekt
Der manschettenförmige Fund (eine Schwerthilze) gehört zu den konstruktiven Elementen eines Schwertgriffs. Das vorliegende Objekt besteht aus zwei Randstücken, darunter das eine mit Runenbeschriftung, sowie einem größeren Mittelteil.

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Der spitzovale obere Beschlagteil (Höhe: 2,3 cm) verfügt über vier quadratische obere und vier schmalere untere Felder, die durch Tremolierstiche voneinander getrennt sind. Im oberen Teil (Höhe: 1,3 cm) finden sich zwei aneinanderstoßende Felder mit runenähnlichen Zeichen bzw. stilisierten Hakenkreuzen (Raddatz 1987a, Kat. 47c, Taf. 7.1-3, 76.2,5).

4. Verbreitung und Datierung
Das mit vergoldetem Silberpreßblech versehene Schwertgriffelement hat Parallelen in den Mooropfern von Illerup und Vimose (von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 456f.). Weil wegen der Preßblechverkleidung eine Datierung in die erste Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1b) wahrscheinlich ist, gehört das vorliegende Stück der Hauptniederlegung von Thorsberg an.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Wie das Verbreitungsbild der Fibeln aus Thorsberg zeigt, kam das angreifende Heer wahrscheinlich aus dem Gebiet zwischen Rhein und Elbe (Ilkjær/Lønstrup 1982; Lønstrup 1984). Das Fundstück ist dem Prachtschwert eines Gefolgschaftsführers zuzuweisen, d. h. der Gruppe 5 bzw. 6 der einschlägigen Schwerter aus Illerup (von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 340-342).

Literatur:
von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996; Ilkjær/Lønstrup 1982; Lønstrup 1984; Raddatz 1987a.

 

 

 

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