Steckbrief: Brakteat (C-Typ) von Raum Vadstena (Östergötland, S)

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Inschrift:   (1?)uwatuwa ˈ fuþarkgw ˈ hnijï(1?)ʀs ˈ tbemlŋo(d ˈ)
Standardausgabe:   KJ2; IK377,1; Ög178
Archäologische Datierung:   440-560
Aufbewahrungsort:  
Kommentar:   Fundort: Der Brakteat wird unter den Bezeichnungen "Vadstena" (KJ) und "Raum Vadstena" (IK) behandelt. Träger: Er ist modelgleich mit Raum Mariedam (IK377,2). Archäologische Datierung: Die skandinavische Brakteatenfertigung wird allgemein in den Zeitraum von ca. 450 bis zum zweiten Drittel des 6. Jh.s datiert. Aufbewahrungsort: Der Brakteat wurde 1938 aus dem Historiska Museet Stockholm gestohlen und kann nur noch anhand einer im Museum vorhandenen Kopie (Inv.-Nr. 70) beurteilt werden.
Archäologischer Text:  

IK 377,1 Raum Vadstena-C

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Unter der Bezeichnung „Raum Vadstena“, „Nær Vadstena“ oder „Vadstena“ wird in der Forschung ein C-Brakteat behandelt, der Bestandteil eines in der Nähe von Vadstena, Vadstena sn. (Östergötland) im Jahr 1774 zutagekommenen Hortfunds war (Schwedische Brakteaten). Zu dem Hort gehörte ein zweiter, allerdings unbeschrifteter Brakteat (IK 376,1). Das beschriftete Exemplar wurde im Jahr 1938 aus dem Historiska Museet Stockholm gestohlen und muß heute anhand einer dort befindlichen Kopie (Inv.-Nr. 70) beurteilt werden (Brate 1911-1919, 167 [Ög 178]; Mackeprang 1952, 153 [Nr. 179]; Axboe et al. 1986, 240 [IK 377,1]).

2. Inschriftobjekt
Der Kopie zufolge befand sich der C-Brakteat (Durchmesser: 30,7 mm, Gewicht: 6,124 g) in einem guten Erhaltungszustand. Er zeigte die Darstellung eines menschlichen Haupts über einem Vierbeiner von links und eines Vogels von rechts (Axboe et al. 1986, 240, 241f.)

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
In Segment 6 (umlaufend in der Randzone) befand sich eine gut lesbare Runeninschrift. Durch die Öse war eine Rune und ein Teil einer weiteren verdeckt (Brate 1911-1919, 167f.; Axboe et al. 1986, 240f.; Nowak 2003, 647).

4. Verbreitung und Datierung
Der Brakteat IK 377,1 Raum Vadstena-C zählt zu den 45 runenbeschrifteten sowie den insgesamt 222 derartigen Funden aus Schweden (Schwedische Brakteaten). Der vorliegende Fund ist der einzige Runen-Brakteat aus Östergötland (vgl. jedoch das modelgleiche Exemplar IK 377,2 Raum Mariedam-C). Beide Objekte werden zur Formularfamilie C9 gerechnet, die nur in Süd- und Mittelschweden sowie auf Gotland und Bornholm verbreitet ist (Pesch 2007, 189-195). Eine Erstkonzeption ist für Östergötland oder Westschonen erwogen worden. Die skandinavische Brakteatenfertigung wird allgemein in den Zeitraum von ca. 450 bis zum zweiten Drittel des 6. Jh.s datiert.  

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Schweden ist für umfangreiche Hortfunde der römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit mit vielen Goldobjekten bekannt, doch der Hort aus dem Raum Vadstena mit den vorliegenden Brakteaten gehört eher zu den unbedeutenden Funden seiner Art (Stenberger 1964, Abb. 195; Burenhult 1991, Abb. 86). Denkbar ist eine Fertigung des Stücks in Östergötland (vgl. IK 377,2 Raum Mariedam-C).

Literatur
Axboe et al. 1986; Brate 1911-1919; Burenhult 1991; Mackeprang 1952; Nowak 2003; Pesch 2007; Stenberger 1964.

Oliver Grimm
(Stand: 2012)

 

 

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