Steckbrief: Sax von Steindorf (Bayern, D)

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Inschrift:   (1Z)hus(i 1?)al(d 2-3?)[0-?] |
Standardausgabe:   KJ158; O42
Archäologische Datierung:   540-560
Aufbewahrungsort:   Archäologische Staatssammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, München
Kommentar:   Archäologische Datierung: Der Kurzsax von Steindorf gehört zu einem Horizont von verschiedenen Waffen mit Runeninschrift, der in die Zeit zwischen dem zweiten Viertel und dem letzten Drittel des 6. Jh.s bzw. dem frühen 7. Jh. datiert (Martin 2004, 185). Aufgrund seiner geringen Klingenlänge ist der Kurzsax den Jahrzehnten um oder nach 550 zuzuordnen (Martin 2004, 185 Anm. 66).
Archäologischer Text:  

Sax von Steindorf

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der Sax von Steindorf (KJ158, O42), Kr. Fürstenfeldbruck, Oberbayern, Bayern, wurde bereits 1934 entdeckt. Das Objekt stammt aus dem Reihengräberfeld vor Ort, das beim Kiesabbau nach und nach zutage kam. 1924, 1929 und 1934 wurden Gräber durch das Landesamt für Denkmalpflege in München untersucht, mehrfach wurden jedoch auch Gräber durch den Kiesabbau zerstört. Dennoch konnten bis 1934 36 Gräber unter Aufsicht ausgegraben werden (Zeiss/Arntz 1936, 127). Der Sax  lag als einzige Beigabe an der rechten Seite des Toten (Zeiss/Arntz 1936). Die von Zeiss und Arntz (1936) gemachte Angabe "Grab 8" hat sich als falsch herausgestellt (Martin 2004, 206).
Das Objekt befindet sich derzeit in der Archäologischen Staatssammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, München. 

2. Inschriftobjekt
Der Kurzsax ist in einer Gesamtlänge von 32,5 cm erhalten, wovon 8,5 cm auf die Griffangel entfallen. Von dem ursprünglichen Griff sind keine Reste erhalten. Wie alle Saxe besitzt die Klinge nur eine Schneide. Auf der einen Seite der Klinge ist die Inschrift angebracht, auf der anderen Seite befindet sich ein unbeholfen eingeritztes Flechtbandornament (Zeiss/Arntz 1936, 127). Die eiserne Schneide ist stark korrodiert, an der Schnittkante sind vereinzelt Stücke herausgebrochen. Trotz der vergleichsweise geringen Länge der Klinge handelt es sich entgegen der Annahme von Zeiss/Arntz (1936, 241) um eine Waffe (Düwel 1994b, 271).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die Inschrift wurde 1935 entdeckt, als die eiserne Klinge im Rahmen der Konservierung im Schmiedefeuer reduziert wurde (Zeiss/Arntz 1936, 127). Sie verläuft rechtsläufig, vom Griff ausgehend entlang der Klinge. Dabei stoßen die Zeichen im oberen Abschnitt an den Klingenrücken und stehen auf einer doppelten Linie (Krause/Jankuhn 1966, 300; Opitz 1977, 42). Die Zeichen sind etwa 2 cm hoch und nehmen in der Höhe etwa zwei Drittel der Fläche ein. In der Länge füllt die Inschrift mit 10 cm gut die halbe Klinge. Alle Zeichen sind in doppelter Linienführung angebracht. Dabei ist der Abstand zwischen den Doppellinien durchschnittlich 1 mm (Zeiss/Arntz 1936, 129). Aufgrund der Korrosion an der Klinge sind die Zeichen nur schlecht zu erkennen (Düwel 1981a, 158). Am Beginn der Inschrift steht ein Fremdzeichen, dessen Form einem gegen die Schriftrichtung gewendeten Dreieck ähnelt. Über den Anbringungszeitraum liegen keine Erkenntnisse vor.

4. Verbreitung und Datierung
Der Kurzsax von Steindorf gehört zu einem Horizont von verschiedenen Waffen mit Runeninschrift, der in die Zeit zwischen dem zweiten Viertel und dem letzten Drittel des 6. Jh.s bzw. dem frühen 7. Jh. datiert (Martin 2004, 185). Aufgrund seiner geringen Klingenlänge ist der Kurzsax den Jahrzehnten um oder nach 550 zuzuordnen (Martin 2004, 185 Anm. 66).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Der schlechte Bearbeitungsstand des Gräberfeldes erschwert eine Aussage hinsichtlich der sozialen Staffelung der auf dem Gräberfeld bestattenden Bevölkerung. Dem Toten ist neben dem Sax keine Spatha mit ins Grab gegeben worden. Er dürfte demnach eher nicht der regionalen Elite angehört haben, die Zugang zu Spathen hatte und diese als Statussymbol nutzten (Menghin 1983, 15; Martin 2004, 193).

Literatur:
Düwel 1981a; 1994b; Krause/Jankuhn 1966; Martin 2004; Menghin 1983; Opitz 1977; Zeiss/Arntz 1936.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

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