Steckbrief: Schildbuckel von Thorsberg (Schleswig-Holstein, D)

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Inschrift:   a(1-2?)g(ʀ)h |
Standardausgabe:   KJ21; DR8
Archäologische Datierung:   210-240
Aufbewahrungsort:   Archäologisches Landesmuseum Schleswig (Inv.-Nr. FS 3262)
Kommentar:   Fundort: In der Literatur findet sich auch die Schreibung "Torsbjerg". Archäologische Datierung: Ilkjær und Lønstrup haben den Schildbuckel von Thorsberg dem Typ mit halbkugelförmigem Oberteil zugewiesen, einem in Nord- und Mitteleuropa gebräuchlichen Buckeltyp, der im Norden inbesondere der ersten Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1b) angehört (Zieling 1989, 139-146; Ilkjær 1990, 286-291).
Archäologischer Text:  

Schildbuckel von Thorsberg

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Der im Jahr 1858 geborgene Schildbuckel entstammt dem Fundplatz von Thorsberg, einem Mooropfer.

2. Inschriftobjekt
Der bronzene Schildbuckel (äußerer Durchmesser: ca. 16,5 cm; Randbreite: 2,1 cm) wurde bei der Opferzeremonie so stark beschädigt, daß Rand und insbesondere Buckel lediglich zum Teil überliefert sind (Raddatz 1987a, Kat. 271, Taf. 24.2, 83). Ein derartiger Buckel wurde auf Schildbrettern befestigt und überdeckte den Griff (Schildfesselbeschlag) bei der mittigen Brettöffnung.

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die sechs Runen mit einer Höhe von 2,1 cm befinden sich zwischen zwei Nägeln auf der schildzugewandten, nicht sichtbaren Seite des Buckelrands. In der Forschung wurde die Auffassung vertreten, daß die Runen vor der Schildmontage angebracht wurden und demnach unsichtbar waren, doch die Neudeutung von J. Ilkjær und J. Lønstrup hat eine intensive Diskussion angeregt (Ilkjær/Lønstrup 1981, 57f.; vgl. zusammenfassend Stoklund 1995b, 326). Die beiden nahmen die Beobachtung zum Ausgangspunkt, daß sich der Hauptstab der a-Rune vom Schildrand in einer geraden ungebrochenen Linie 2-3 mm über das deformierte Oberteil des Schildbuckels fortsetzt. Die Anbringung der Inschrift könne demnach erst nach der Trennung von Buckel und Schildholz und der Verbiegung des Buckels im Rahmen der Opferzeremonie erfolgt sein, weil sich dort zuvor ein rechter Winkel befunden habe, welcher die Beschriftung in der beobachteten Form verhinderte. Die Diskussion über den Anbringungszeitraum ist nicht abgeschlossen, denn im Anschluß an Ilkjær und Lønstrup wurden widersprüchliche Auffassungen vertreten. Weil Inschriften auf Hölzern manchmal in Nachbarseiten über einen rechten Winkel hinaus und in geradem Verlauf eingeritzt wurden, muß die Deutung Ilkjærs und Lønstrups jedoch mit einer gewissen Skepsis aufgenommen werden (vgl. Düwel 1992a, 347-349, Anm. 13; Stoklund 1995b, 326).

4. Verbreitung und Datierung
J. Ilkjær und J. Lønstrup haben den Schildbuckel von Thorsberg dem Typ mit halbkugelförmigem Oberteil zugewiesen, einem in Nord- und Mitteleuropa gebräuchlichen Buckeltyp, der im Norden inbesondere der ersten Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1b) angehört (Zieling 1989, 139-146; Ilkjær 1990, 286-291). K. Raddatz hat im Katalog von 1987 die Kuppenform als fraglich bezeichnet (Raddatz 1987a, Kat. 271). Wird der Gesamtzusammenhang der Opferung von Thorsberg berücksichtigt, d. h. die umfangreiche Niederlegung des frühen dritten Jahrhunderts (mittlerer Abschnitt der Periode C1b), so ist das vorliegende Stück mit einiger Wahrscheinlichkeit der großen Zahl von Schildbuckeln des genannten Typs zuzuordnen, die von dem Fundplatz bekannt sind (Ilkjær/Lønstrup 1981, 56-58; 1982; Lønstrup 1984).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Wie das Verbreitungsbild der Fibeln aus Thorsberg zeigt, kam das angreifende Heer wahrscheinlich aus dem Gebiet zwischen Rhein und Elbe (Ilkjær/Lønstrup 1982; Lønstrup 1984). Im Gefolge der Interpretation für Illerup Platz A ist der bronzene Schildbuckel dem mittleren Militärrang (ca. 10-15% des Heeres in Illerup) zuzuordnen.

Literatur:
Düwel 1992a; Ilkjær 1990; Ilkjær/Lønstrup 1981; 1982; Lønstrup 1984; Raddatz 1987a; Stoklund 1995; Zieling 1989.

 

 

 

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