Steckbrief: Bügelfibel von Freilaubersheim (Rheinland-Pfalz, D)

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Inschrift:   boso ˈ wraetruna ˈ | (2?) ˈ da(1?)ïna ˈ g(2-5?) |
Standardausgabe:   KJ144; O16
Archäologische Datierung:   540-590
Aufbewahrungsort:   Landesmuseum Mainz (Inv.-Nr. N 1760)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Aus typologischen Erwägungen kann die Herstellung des Fibelpaares in die Mitte des 6. Jh.s, bzw. in das 3. Viertel des 6. Jh.s datiert werden (Martin 2004, 178f.).
Archäologischer Text:  

Bügelfibel von Freilaubersheim

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Die Bügelfibel von Freilaubersheim (KJ144, O16), Ldkr. Bad Kreuznach, Altkreis Alzey, Rheinland-Pfalz, wurde 1873 in einer reichen Frauenbestattung eines fränkischen Reihengräberfeldes gefunden. Der Fundplatz Freilaubersheim liegt südöstlich von Kreuznach im Nahegau. Im Frauengrab 2 fand sich neben der Runenfibel eine zweite, modelgleiche Fibel, eine Granatscheibenfibel, verschiedene Perlen aus Glas, Ton und Bernstein, ein Bergkristallwirtel, ein Glasbecher, zwei Schnallen und ein Tongefäß (Opitz 1977, 20; Martin 2004, 199).
Die Fibel befindet sich derzeit im Landesmuseum Mainz.

2. Inschriftobjekt
Die 9,75 cm lange, silberne Bügelfibel (Inv.-Nr. N 1761) war teilweise vergoldet und zeigt eine flächige Kerbschnittverzierung (Opitz 1977, 19). An der halbrunden Kopfplatte sind fünf Knöpfe mit angegossen, davon ist einer beschädigt. Das Innenfeld der Kopfplatte ist zweizonig gestaltet mit umlaufendem, randbegleitendem Grat (Göldner 1987, 41). Die Fußplatte ist rhombisch ausgeformt und endet in einem sehr stark stilisierten Tierkopf (Krause/Jankuhn 1966, 283). An beiden Seiten ist zusätzlich ein plastisches Kreisauge angesetzt. Die Verzierungen der Fußplatte sind dreizonig ausgeführt, das Innenfeld wird von einem schrägen Leiterband gefüllt, die Außenfelder von einem Seilband. Auf der Rückseite ist eine randbegleitende Rille am Kopf- und Fußteil zu erkennen. Die Knöpfe, der Bügel und der Tierkopf sind hohl gegossen (Göldner 1987, 41).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die Inschrift ist auf der Rückseit des Fiebelfußes in zwei Reihen angebracht, die durch eine Doppellinie voneinander getrennt sind (Krause/Jankuhn 1966, 283). Die beiden Zeilen verlaufen parallel zueinander, auf beiden Seiten des Nadelhalters und der Nadelachse. Sie füllen den zur Verfügung stehenden Raum auf der Rückseite des Fibelfußes fast vollständig aus. Durch Abnutzung sind die Runen zum Teil nur schlecht erhalten (Göldner 1987,41; Krause/Jankuhn 1966, 284). 

4. Verbreitung und Datierung
Die Fibel wurde im fränkischen Bereich gefertigt, über den Anbringungsraum der Inschrift kann keine gesicherte Aussage getroffen werden (Düwel 1997d, 545f.). Aus typologischen Erwägungen kann die Herstellung des Fibelpaares in die Mitte des 6. Jh.s bzw. in das 3. Viertel des 6. Jh.s datiert werden (Martin 2004, 178f.).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Die reichen Beigaben aus dem Frauengrab von Freilaubersheim belegen den Wohlstand der bestatteten Person. Das silberne Bügelfibelpaar wurde vermutlich als Statussymbol getragen, das den Frauen der Oberschicht vorbehalten blieb (Martin 2004, 191). Es ist demnach davon auszugehen, daß die Tote ein Mitglied der regionalen Elite und auch der wirtschaftlichen Oberschicht war. Durch die unpublizierten Gesamtzusammenhänge des Gräberfeldes von Freilaubersheim ist ihre Stellung innerhalb der dort bestattenden Gesellschaft allerdings nicht genauer zu umreißen.

Literatur:
Düwel 1997d; Göldner 1987; Krause/Jankuhn 1966; Martin 2004; Opitz 1977.

Annette Siegmüller
(Stand: 2008)

 

 

 

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