Steckbrief: Ortband von Thorsberg (Schleswig-Holstein, D)

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Inschrift:   owlþuþewaʀ | niwajemariʀ |
Standardausgabe:   KJ20; DR7
Archäologische Datierung:   160-240
Aufbewahrungsort:   Archäologisches Landesmuseum Schleswig (Inv.-Nr. FS 5767)
Kommentar:   Fundort: In der Literatur findet sich auch die Schreibung "Torsbjerg". Archäologische Datierung: Wegen des chronologischen Rahmens muß diese römische Fundgattung aus der zweiten Hälfte des 2. und der 1. Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1) von der mittleren und umfangreichen Opferung aus Thorsberg herrühren (Ilkjær/Lønstrup 1982a, 56-58).
Archäologischer Text:  

Ortband von Thorsberg

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Das im Jahr 1860 geborgene Ortband entstammt dem Fundplatz von Thorsberg, einem Mooropfer.

2. Inschriftobjekt
Das bronzene Ortband römischer Herkunft mit peltaähnlicher Grundform und einer Durchbruchsarbeit am oberen Ende (Länge: 5,12 cm; Höhe: 4,7 cm) diente zum Schutz des unteren Endes der hölzernen oder ledernen Schwertscheide. Die mittlere der drei oberen Zacken ragt höher hervor, die Vorderseite zeigt eine Verzierung in Form von drei Kreisreihen in Anlehnung an die heraustretenden Zacken. Die Rückseite weist eine geringere Zahl derartiger Kreise und eine abgescheuerte Stelle auf, die von der Tragweise herrührt (Norling Christensen 1945; Ilkjær/Lønstrup 1981, 57; Raddatz 1987a, Kat. 124, Taf. 13.6, 78). Die Schrammen auf der Oberfläche können von der Nutzung oder den Zerstörungen im Rahmen der Opferzeremonie herrühren.

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Der untere bogenförmige Abschluß des Dosenortbands zeigt Inschriften auf beiden Deckplatten, d. h. auf der sichtbaren Vorder- und der dem Träger zugewandten Rückseite des unteren Schwertabschlusses (Raddatz 1987a, Kat. 124, Taf. 13.6, 78; Stoklund 1995b, 327-329). Die sorgfältig eingeritzten, 0,6-1 cm hohen und beim Tragen auf dem Kopf stehenden Runen sind trotz vieler Schrammen auf der Metalloberfläche gut erkennbar. Der Aufbringungszeitpunkt der Runen entzieht sich einer näheren Bestimmung.

4. Verbreitung und Datierung
Peltaförmige Dosenortbänder vom Typ Novaesium sind in großer Zahl aus römischen Kastellen sowie aus den Mooropfern von Thorsberg, Vimose und Illerup bekannt (Raddatz 1957, 146f.; von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 309). Wegen des chronologischen Rahmens muß diese römische Fundgattung aus der zweiten Hälfte des 2. und der 1. Hälfte des 3. Jh.s n. Chr. (Periode C1) von der mittleren und umfangreichen Opferung aus Thorsberg herrühren (Ilkjær/Lønstrup 1981, 56-58). Das vorliegende Fundstück könnte der Schwertgurtgruppe 5 im gut untersuchten Fundmaterial von Illerup Platz A zugeordnet werden, d. h. Garnituren, die zum überwiegenden Teil aus römischen Produkten zusammengesetzt sind (von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 308-310).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Wie das Verbreitungsbild der Fibeln aus Thorsberg zeigt, kam das angreifende Heer wahrscheinlich aus dem Gebiet zwischen Rhein und Elbe (Ilkjær/Lønstrup 1982; Lønstrup 1984). Im Zuge der Interpretation für Illerup Platz A ist das bronzene Ortband dem mittleren Militärrang zuzuordnen (ca. 10-15% des Heeres in Illerup).

Literatur:
von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996; Ilkjær/Lønstrup 1981; 1982; Lønstrup 1984; Norling Christensen 1945; Raddatz 1957; 1987a; Stoklund 1995b.

 

 

 

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