Steckbrief: Brakteat (C-Typ) von Tjurkö (II)/Målen (Blekinge, S)

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Inschrift:   ota |
Standardausgabe:   KJ125; IK185; DRBr76
Archäologische Datierung:   440-560
Aufbewahrungsort:   Lunds Universitets Historiska Museum (Inv.-Nr. 6602)
Kommentar:   Fundort: Der Brakteat wird auch unter der Bezeichnung "Tjurkö II" (KJ) bzw. "Tjurkö 2" (DR) behandelt; in älteren Publikationen finden sich auch die Schreibungen "Tjörkö" und "Körkö". Archäologische Datierung: Die skandinavische Brakteatenfertigung wird allgemein in den Zeitraum von ca. 450 bis zum zweiten Drittel des 6. Jh.s datiert.
Archäologischer Text:  

IK 185 Tjurkö (II)-C/Målen

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Unter den Bezeichnungen „Tjurkö (II)/Målen“, „Tjurkö 2“ sowie „Målen paa Tjurkö“ (in der älteren Literatur auch: „Tjörkö“, „Körkö“ oder „Målen“) wird in der Forschung ein C-Brakteat behandelt, der zu einem im Jahr 1817 in Målen auf der Insel Tjurkö, Augerum sn. (Blekinge) entdeckten Hortfund gehört (Schwedische Brakteaten). Aus dem Hort stammen neben dem vorliegenden C-Brakteaten (IK 185), ein zweiter runenbeschrifteter C-Brakteat (vgl. IK 184 Tjurkö (I)-C/Målen), ein A-Brakteat mit Kapitalisimitationen (IK 183 Tjurkö (III)-C/Målen), ein unbeschrifteter C-Brakteat (IK 150,2 Tjurkö) sowie zwei Goldmünzen Theodosius’ II. (408-450). Die Funde lagen zwischen Steinen knapp unter der Erdoberfläche. Der Brakteat IK 185 Tjurkö (II)-C/Målen wird in Lunds Universitets Historiska Museum (Inv.-Nr. 6602) aufbewahrt (Jacobsen/Moltke 1941/1942, 549 [DRBr 76]; Mackeprang 1952, 159 [Nr. 221]; Axboe et al. 1985, 316, 318, 315 [IK 185]).

2. Inschriftobjekt
Der C-Brakteat (Durchmesser: 27,9 mm, Gewicht: 4,35 g) ist trotz leichter Verbeulungen und einem Riß im unteren Segment gut erhalten. Er zeigt die Darstellung eines menschlichen Haupts über einem Vierbeiner von links und Beizeichen (Axboe et al. 1985, 318f.)

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
In den Segmenten 1 und 2 (zwischen dem Haupt und der Nase des Vierbeiners) befindet sich ein auf einer eigenen Grundlinie stehender gut lesbarer Runenkomplex (Jacobsen/Moltke 1941/1942, 549; Axboe et al. 1985, 318; Nowak 2003, 555).

4. Verbreitung und Datierung
Der Brakteat IK 185 Tjurkö (II)-C/Målen zählt zu den 45 runenbeschrifteten sowie den insgesamt 222 derartigen Funden aus Schweden (Schwedische Brakteaten). Das Objekt, eines von zwei aus Blekinge mit einer Runenbeschriftung (vgl. IK 184 Tjurkö (I)-C/Målen), wird zu der Formularfamilie C14 gerechnet, die ausschließlich in Südschweden und Bornholm verbreitet ist, mit einer Ausstrahlung bis nach Polen. Ein Konzeptionsort ist nicht sicher festzustellen; denkbar wäre der Zentralplatz Sorte Muld (Bornholm), doch auch Uppåkra (Skåne) kann nicht ausgeschlossen werden (Pesch 2007, 220-223). Die skandinavische Brakteatenfertigung wird allgemein in den Zeitraum von ca. 450 bis zum zweiten Drittel des 6. Jh.s datiert.  

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Interpretation
Schweden ist für umfangreiche Hortfunde der römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit mit vielen Goldobjekten bekannt (Stenberger 1964, Abb. 195; Burenhult 1991, Abb. 86). Der Hort aus Tjurkö mit dem vorliegenden Brakteaten gehört eher zu den unbedeutenden Funden seiner Art, doch er stammt aus einem archäologisch prominenten Fundgebiet, d.h. mehreren Inseln, im Südosten Blekinges. Ein völkerwanderungszeitlicher Großhof konnte bisher allerdings nicht lokalisiert werden (Fabech 1994; Lihammer 2003; Lamm 2006). Der Runen-Brakteat verweist jedoch durch seinen Erstkonzeptionsort auf Bornholm (Sorte Muld) oder in Schonen (Uppåkra) auf großräumigere Beziehungen.

Literatur
Axboe et al. 1985; Burenhult 1991; Fabech 1994; Jacobsen/Moltke 1941/1942; Lamm 2006; Lihammer 2003; Mackeprang 1952; Nowak 2003; Pesch 2007; Stenberger 1964.

Oliver Grimm
(Stand: 2012)

 

 

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