Steckbrief: Bügelfibel von Himlingøje I (Sjælland, DK)

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Inschrift:   hariso |
Standardausgabe:   KJ9; DR232
Archäologische Datierung:   210-310
Aufbewahrungsort:   Nationalmuseet København (Inv.-Nr. 3506)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Wegen der fehlenden Fundüberlieferung ist das vorliegende Stück lediglich typologisch dem Zeitraum vom frühen 3. bis zum frühen 4. Jh. n. Chr. (Periode C1b/C2 der Römischen Kaiserzeit) zuzuweisen. Doch die jüngsten Untersuchungen zu Perldraht- und Preßblechvorkommen in kaiserzeitlichen Mooropfern Südskandinaviens könnten eher auf eine Datierung der Fibel in die erste Hälfte des 3. Jh.s (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) hindeuten (Lund Hansen 1995a, 143f.; 1998, 168; vgl. jedoch von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 394f.).
Archäologischer Text:  

Bügelfibel von Himlingøje (Himlingøje I)

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Die Bügelfibel von Himlingøje, Herfølge sn., Bjæverskov hd., Præstø amt (Seeland), mit hoher Wahrscheinlichkeit einst eine Grabbeigabe, gehört zu der Gruppe dänischer Kleinfunde mit Runenbeschriftung (Dänische Kleinfunde) sowie zur Untergruppe der Prachtfibeln von Frauen (vgl. den typologisch vergleichbaren Fund aus dem schwedischen Gårdlösa sowie die dänischen Rosettenfibeln von Himlingøje II, Nøvling, Næsbjerg, Skovgårde, Værløse). Der Fundplatz, ein archäologisch herausragendes Gräberfeld mit einem Zenit im frühen 3. Jh. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit), befindet sich im östlichen Seeland in einer strategisch günstigen Lage zum nahegelegenen Öresund. Ab dem Jahr 1829 kamen zahlreiche Lesefunde bei Kiesentnahmen in einem natürlichen Hügel (Baunehøj) im Areal des Gräberfelds zutage, darunter die im Jahr 1835 gefundene runenbeschriftete Fibel. Die Funde zählten einst wahrscheinlich zu ca. fünf Gräbern (Lund Hansen 1995a, 143f.; 1995c, 418; 1998, 168; Jacobsen/Moltke 1941/1942, Sp. 286; Krause/Jankuhn 1966, 30).

2. Inschriftobjekt
Die Gewandnadel (Länge: 10,2 cm) ist durch vergoldetes Silberpreßblech, profilierte Silberstifte und eine blaue Glaseinlage verkleidet. Die einst auf dem Bügel befindliche Scheibe fehlt (Lund Hansen 1971, 73f.). Die Nadel zählt zu den preßblech- und glasverzierten Bügelfibeln vom Typ Mackeprang IX, die aus einer halbrunden Kopfplatte, einem bandförmigen Bügel mit zwei markanten Knicken, einer mittig aufgesetzten runden oder ovalen Scheibe und einer rhombischen Fußplatte zusammengesetzt waren (Mackeprang 1943, 14-16, Tafel 2,6; Lund Hansen 1971, 72f.).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die Inschrift (Höhe: 7-12 mm) auf der Rückseite der rhombischen Fußplatte folgt der Längsrichtung der Platte und war für andere nicht lesbar (Jacobsen/Moltke 1941/1942, Sp. 286; Krause/Jankuhn 1966, 31; Stoklund 1995b, 319).

4. Verbreitung und Datierung
Insgesamt 16 dänische Kleinfunde, meist Grabfunde, sind mit Runen beschriftet. Die 13 gut bestimmbaren nordeuropäischen Bügelfibeln vom Typ Mackeprang IX verteilen sich auf Dänemark, das südliche Schweden und Norwegen, doch Aussagen zur Verbreitung werden dadurch erschwert, daß möglicherweise weitere preßblech- und glasverzierte Gewandnadelbruchstücke zu diesem Typ zählten, ohne daß dies mit Sicherheit zu ermitteln ist. Die Fibeln sind teils in reich ausgestatteten Gräbern und teils als Lesefunde auf Gräberfeldern überliefert (Lund Hansen 1971, 73). Wegen der fehlenden Fundüberlieferung ist das vorliegende Stück lediglich typologisch dem Zeitraum vom frühen 3. bis zum frühen 4. Jh. n. Chr. (Periode C1b/C2 der Römischen Kaiserzeit) zuzuweisen. Doch die jüngsten Untersuchungen zu Perldraht- und Preßblechvorkommen in kaiserzeitlichen Mooropfern Südskandinaviens könnten eher auf eine Datierung der Fibel in die erste Hälfte des 3. Jh.s (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) hindeuten (Lund Hansen 1995a, 143f.; 1998, 168; vgl. jedoch von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 394f.).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Die Frau, die mit einer Prachtfibel beigesetzt wurde, gehörte ohne Zweifel der örtlichen Oberschicht an, doch wegen der fehlenden Fundüberlieferung ist die weitere Ausstattung des Grabs unbekannt. Das Gräberfeld von Himlingøje war im frühen 3. Jh. n. Chr. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) das bedeutendste auf Seeland, was eine Analyse der zahlreichen reich ausgestatteten Gräber unterstreicht. Sie deuten auf ein einst in der Nähe befindliches Machtzentrum mit einem Zenit im frühen 3. Jh. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) hin, das jedoch bis heute nicht lokalisiert wurde. Im Laufe des 3. Jh.s fand eine Machtverlagerung nach Fünen statt (vgl. Gudme/Lundeborg).

Literatur
von Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996; Jacobsen/Moltke 1941/1942; Krause/Jankuhn 1966; Lund Hansen 1971; 1995a; 1995c; 1998; Mackeprang 1943; Stoklund 1995b.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2008)

 

 

 

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