Steckbrief: Amulett von Lindholmen (Skåne, S)

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Inschrift:   ekerilaʀsa(wil)agaʀhateka ˈ | aaaaaaaaʀʀʀnn(n)[1?](b)muttt ˈ alu ˈ |
Standardausgabe:   KJ29; DR261
Archäologische Datierung:   /
Aufbewahrungsort:   Lunds Universitets Historiska Museum (Inv.-Nr. 5084)
Kommentar:   Fundort: In der Literatur findet sich auch die Schreibung "Lindholm". Archäologische Datierung: Das Tierhorn- oder Beinstück aus Lindholmen entzieht sich einer näheren Datierung.
Archäologischer Text:  

Amulett von Lindholmen

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Das Tierhorn- oder Beinstück aus Lindholmen, Svedala sn. (Skåne), ein Moorfund, gehört zu der Gruppe von schwedischen Kleinfunden mit Runenbeschriftung (Schwedische Kleinfunde). Das runenbeschriftete Objekt wurde im Jahr 1840, wahrscheinlich beim Torfstechen, am Boden eines Moores im Areal des Herrenhofes Lindholmen entdeckt und zerbrochen, als man es verbrennen wollte. Der Fund kam im Jahr 1851 in das Historische Museum von Lund (Grønvik 1996, 65-74; Stoklund 2001a; Jacobsen/Moltke 1941/1942, Sp. 316; Krause/Jankuhn 1966, 69). Das Fundgebiet südöstlich von Svedala nahe dem nordwestlichen Ufer des Björringe-Sees zeigt allem Anschein nach keine archäologischen Anzeichen für eine Sonderstellung im ersten nachchristlichen Jahrtausend, und aus diesem Grund ist nicht ersichtlich, daß der mittelalterliche Herrenhof mit einer Burg bereits in einer älteren Tradition stand.

2. Inschriftobjekt
Das längliche, fein bearbeitete, schwach gekrümmte Horn- oder Beinstück (Länge: 16 cm; max. Breite: 1,8 cm) weist zwei aneinanderstoßende, schräggestellte Längsflächen auf. Es verjüngt sich zur einen Seite hin, das breite Ende läuft dagegen in einer Tier- oder Fischkopfdarstellung aus (Stoklund 2001a; Krause/Jankuhn 1966, 69).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die Runeninschrift (Runenhöhe: 1 cm) folgt der Längsrichtung der beiden schräggestellten Flächen (Stoklund 2001a; Krause/Jankuhn 1966, 69).

4. Verbreitung und Datierung
Insgesamt 11 schwedische Kleinfunde sind mit Runen beschriftet. Die Gegenstände stammen zum überwiegenden Teil aus Gräbern, doch bei Lindholmen handelt es sich um einen Moorfund. Hinsichtlich der Formmerkmale und Schriftanordnung hat der Gegenstand aus Lindholmen Ähnlichkeiten mit einem norwegischen Fund aus Ødemotland, doch nur das Stück aus Lindholmen weist eine Krümmung in der Längsrichtung auf und endet auf der einen Seite in einem spitz zulaufenden Tier- oder Fischkopf, wogegen sich der Tierkopf bei dem Fund von Ødemotland in einem rechtwinklig abgeschlossenen Seitenstück befindet (Olsen/Schetelig 1914-1924, 39f.). Der schwedische Fund entzieht sich einer näheren Datierung. Ob, wie bei dem Objekt von Ødemotland der figürlich gestaltete Seitenabschluß zu einer zeitlichen Fixierung zu nutzen ist, wurde bisher in der Forschung allem Anschein nach nicht diskutiert.

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Das Fundstück und das Fundgebiet im weiteren Sinne können nicht als Anzeiger für ein bedeutendes Gehöftmilieu herangezogen werden. Doch die Fundumstände deuten, wie im Falle der dänischen Funde aus Fælleseje und Garbølle, wahrscheinlich auf eine rituelle Deponierung des Gegenstands in einem Moor oder See hin (vgl. Moorfunde). Archäologisch markante Fundkomplexe aus den Jahrhunderten n. Chr. Geburt, z. B. reich ausgestattete Gräber, sind aus dem Fundgebiet nicht bekannt, und aus diesem Grund ist es fraglich, ob der mittelalterliche Herrenhof mit Burg wirklich in einer eisenzeitlichen Tradition stand.

Literatur
Grønvik 1996; Jacobsen/Moltke 1941/1942; Krause/Jankuhn 1966; Olsen/Schetelig 1914-1924; Stoklund 2001a.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2008)

 

 

 

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