Steckbrief: Rosettenfibel von Himlingøje II (Sjælland, DK)

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Inschrift:   [0-?](w)iduhudaʀ |
Standardausgabe:   KJ10
Archäologische Datierung:   200-210
Aufbewahrungsort:   Nationalmuseet København (Inv.-Nr. C 24137)
Kommentar:   Archäologische Datierung: Die vorliegende Gewandnadel gehört zu einem Prachtfibeltyp, der von Frauen im frühen 3. Jh. n. Chr. getragen wurde (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) und aus Ost- und Nordeuropa bekannt ist (Lund Hansen 1998, 170f.).
Archäologischer Text:  

Rosettenfibel von Himlingøje (Himlingøje II)

1. Fundgeschichte und Fundkontext
Die Rosettenfibel von Himlingøje, Herfølge sn., Bjæverskov hd., Præstø amt (Seeland), mit hoher Wahrscheinlichkeit einst eine Grabbeigabe, gehört zu der Gruppe dänischer Kleinfunde mit Runenbeschriftung (Dänische Kleinfunde) sowie zur Untergruppe der runenbeschrifteten Prachtfibeln von Frauen (vgl. die dänischen Fibeln von Himlingøje I, Nøvling, Næsbjerg, Skovgårde, Værløse). Der Fundplatz, ein archäologisch herausragendes Gräberfeld mit einem Zenit im frühen 3. Jh. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit), befindet sich im östlichen Seeland in einer strategisch günstigen Lage zum nahegelegenen Öresund. In Grab 1949-2, einer Körperbestattung, fand sich 1949 das Skelett einer 40-50jährigen, 1,63 m großen Frau, die exklusive Beigaben erhalten hatte: eine runenbeschriftete Rosettenfibel, zahlreiche römische Fremdgüter, u. a. ein Bronzebecken und zwei Glasgefäße, drei silberne Bügelfibeln, zwei Arm- und zwei Fingerringe mit Schlangenkopfform, zwei Halsketten, eine silberne Amulettdose, einen durchlochten Denar etc. (Lund Hansen 1995a, 152-158; 1998, 167f.; Krause/Jankuhn 1966, 32).

2. Inschriftobjekt
Die silberne Gewandnadel (Länge: 10,7 cm) ist reich mit Preßblech verziert (Lund Hansen 1998, 167f.). Rosettenfibeln bzw. zweigliedrige Armbrustfibeln mit hohem Nadelhalter („monströs entwickelte Form“) bestehen aus einem abgeknickten Bügel sowie einem Fuß (mit Nadelhalter), einer Spirale und einer Nadel. Fuß, Bügel und Spirale weisen in aller Regel silberne bzw. goldene Preßblechauflagen sowie die namengebenden Rosetten auf, d. h. aufgesetzte Zierscheiben (vgl. allgemein Mackeprang 1943, 9f., Abb. 1, 6 = Mackeprang Typ IV).

3. Anbringung und Zustand der Inschrift
Die heute unvollständige und teilweise beschädigte Inschrift (heutige Länge: 3 cm; geschätzte Originallänge: bis ca. 5,5 cm) wurde mit großer Sorgfalt auf der nadelbezogenen Innenseite des Nadelhalters angebracht und war für andere nicht lesbar (Stoklund 1995b, 321; Krause/Jankuhn 1966, 32).

4. Verbreitung und Datierung
Insgesamt 16 dänische Kleinfunde, meist Grabbeigaben, sind mit Runen beschriftet. Die vorliegende Gewandnadel gehört zu einem Prachtfibeltyp, der von Frauen im frühen 3. Jh. n. Chr. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) getragen wurde und aus Ost- und Nordeuropa bekannt ist (Lund Hansen 1998, 170f.). Unter den skandinavischen Gewandnadeln dieses Typs überwiegen ostdänische Erzeugnisse, 5 der 52 dänischen Rosettenfibeln (vgl. Nøvling, Næsbjerg, Skovgårde, Værløse) weisen eine Runenbeschriftung auf dem Nadelhalter auf, doch die Schriftzeichen finden sich in unterschiedlicher Anordnung (Stoklund 1995b, 319f.).

5. Kulturhistorische/Sozialgeschichtliche Deutung
Die Frau in Grab 1949/2, die eine Prachtfibel und weitere herausragende Beigaben erhielt, gehörte ohne Zweifel der örtlichen Oberschicht an. Das Gräberfeld von Himlingøje war im frühen 3. Jh. n. Chr. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) das bedeutendste auf Seeland, was eine Analyse der zahlreichen reich ausgestatteten Gräber unterstreicht. Sie deuten auf ein einst in der Nähe befindliches Machtzentrum mit einem Zenit im frühen 3. Jh. (Periode C1b der Römischen Kaiserzeit) hin, das jedoch bis heute nicht lokalisiert wurde. Im Laufe des 3. Jh.s fand eine Machtverlagerung nach Fünen statt (vgl. Gudme/Lundeborg).

Literatur
Krause/Jankuhn 1966; Lund Hansen 1995a; 1998; Mackprang 1943; Stoklund 1995b.

Oliver Grimm (letzte Bearbeitung 2008)

 

 

 

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